Die US-Sicherheitsstrategie und die Folgen für Europa

Ein Beitrag von unserem Chefredakteur Rolf Clement

Die Politologin Claudia Major sprach von einem Scheidungspapier, der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen von einer zweiten Zeitenwende. Beides waren Kommentare zur neuen Nationalen Sicherheitsstrategie der USA. Beides zeigt an, dass das jetzt vorgelegte Papier die USA neu positioniert.
Es erregt allerdings immer Aufsehen, wenn die USA eine neue Nationale Sicherheitsstrategie auflegen. Die Aufregung in diesem Jahr liegt vor allem an den Formulierungen, denn die meisten Inhalte können uns auch nicht mehr erschüttern, wenngleich sie in einem offiziellen Dokument doch eine andere Verbindlichkeit erhalten als in den Reden des Präsidenten, deren Inhalt ja oft keinen Bestand hat.

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Frohe Weihnachten

Weihnachten fällt in diesem Jahr in eine Zeit, die von Unruhe, Krieg, Verfolgung und tiefgreifenden politischen Verwerfungen geprägt ist. Der brutale Krieg in der Ukraine vor unserer Haustür hält unvermindert an. Antisemitismus zeigt auf unseren Straßen offen und hemmungslos seine hässliche Fratze. Das Attentat von Bondi Beach kommt leider nicht überraschend und stellt ein weiteres Fanal einer enthemmten politischen Kultur dar, das uns mehr als eine Warnung sein sollte. Täglich erreichen uns Bilder von Gewalt, Leid und Unsicherheit, die weit über einzelne Regionen hinaus wirken und auch unser eigenes Denken und Handeln berühren.

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Da waren es schon 78 – Besser aufgestellt mit einem Nationalen Sicherheitsrat

Ein Beitrag von Christina Moritz

Noch bis vor kurzem schätzte man die Zahl der Staaten mit Nationalem Sicherheitsrat (NSR) auf etwa 68. Jetzt sind es bereits bis zu 78 Länder, und über 60 haben vergleichbare Modelle. Das bedeutet, dass mehr als die Hälfte aller Länder weltweit über permanente übergeordnete Institutionen, Strukturen oder Verfahren nationaler Sicherheitsvorsorge verfügt. Seit dem 27. August 2025 zählt auch Deutschland zu Ihnen. Weiterlesen

Die National Security Strategy der USA unter amerikanischem und europäischem Blickwinkel

Ein Beitrag von  Dr. Hans C. Atzpodien, Hauptgeschäftsführer BDSV e.V.

Im Januar 2026 jährt sich der zweite Amtsantritt von Präsident Donald Trump zum ersten Mal. Wieder einmal reiben wir uns erstaunt die Augen. Mehrfach in den vergangenen zwölf Monaten waren wir geneigt zu glauben, es werde doch alles für uns in Europa nicht so schlimm kommen. Der NATO Generalsekretär Mark Rutte hatte es geschafft, beim NATO Gipfel im Juni 2025 in seiner Heimatstadt Den Haag den US Präsidenten motiviert zu halten, weiterhin zur NATO zu stehen. Dies war um den Preis geschehen, dass alle europäischen NATO Partner die bis dahin unglaubliche Summe von fünf Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung und verteidigungsrelevante Infrastruktur versprochen hatten.

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„Initiative für einen handlungsfähigen Staat“ Sicherheitsforum Deutschland, 8. Dezember 2025, OHG Köln-Wahn

Rund siebzig Gäste waren der Einladung des Sicherheitsforum Deutschland und der Gesellschaft für Sicherheitspolitik Sektion Bonn in die Offizierheimgesellschaft Köln-Wahn gefolgt, um über die Zukunftsfähigkeit des Staates und die Reformbedarfe in Verwaltung und Politik zu sprechen. Der Vorsitzende des Sicherheitsforum Deutschland, Norbert Adam Froitzheim, eröffnete den Abend und stellte die Dringlichkeit des Themas in den Mittelpunkt. Der anhaltende Vertrauensverlust in die Leistungsfähigkeit staatlicher Institutionen, die stockende Modernisierung der Verwaltung und die wachsenden Belastungen durch Bürokratie bildeten den Rahmen seiner einleitenden Worte.

Ursprünglich war ein gemeinsamer Vortrag von Minister a. D. Dr. Thomas de Maizière und Regierungspräsident Dr. Thomas Wilk vorgesehen. Aufgrund einer Erkrankung des früheren Innen- und Verteidigungsministers übernahm Dr. Wilk kurzfristig einen erweiterten Beitrag und schilderte die Perspektive der Bezirksregierung Köln, die mit ihren Aufgaben für rund viereinhalb Millionen Menschen eine der komplexesten Regierungsregionen des Landes darstellt.

In seinem ausführlichen Vortrag analysierte Dr. Wilk offen die strukturellen Schwächen staatlichen Handelns. Er benannte die zersplitterte IT-Landschaft ebenso wie den zunehmenden Erfüllungsaufwand für Gesetze, die wachsende Überforderung vieler Behörden und die Schwierigkeiten, in einer Zeit steigender Anforderungen Personal zu gewinnen und trotz begrenzter Ressourcen leistungsfähig zu bleiben. Mit Blick auf die im Buch „Initiative für einen handlungsfähigen Staat“ formulierten Empfehlungen betonte er, dass die Herausforderungen nicht abstrakt, sondern täglich spürbar seien. Der Handlungsbedarf sei hoch, und nur ein entschlossenes politisches Vorgehen könne verhindern, dass Bürger das Vertrauen in die Problemlösungsfähigkeit des Staates verlieren.

Besondere Aufmerksamkeit erregte Dr. Wilks Hinweis, dass der Regierungsbezirk Köln zwischenzeitlich als Modellregion für neue Reformansätze im Bund im Gespräch gewesen sei. Hier sollte erprobt werden, wie moderne Verwaltungsverfahren, digitale Entwicklungen und effizientere Entscheidungswege praktisch umgesetzt werden können. Zwar scheine sich die Lage aktuell noch einmal zu verändern, doch äußerte Dr. Wilk die Hoffnung, dass Köln diese Rolle weiterhin übernehmen könne. Die Region verfüge über die notwendige Größe, Vielfalt und institutionelle Dichte, um innovative Strukturen zu testen und erfolgreich weiterzuentwickeln.

Im anschließenden Gespräch mit dem Journalisten Rolf Clement sprach Dr. Wilk noch direkter über die täglichen Hürden staatlicher Praxis. Er beschrieb, wie schwerfällig Abläufe trotz guter Absichten sein können, wie viel Zeit durch unklare Zuständigkeiten und veraltete Technik verloren geht und wie stark Bürger und Wirtschaft unter langen Verfahren leiden. Das Publikum erhielt einen seltenen Einblick in die internen Spannungsverhältnisse zwischen politischem Anspruch, administrativer Wirklichkeit und äußeren Rahmenbedingungen, die sich in den vergangenen Jahren sichtbar verschärft haben.

Die Fragen aus dem Plenum knüpften an diese offenen Worte an. Diskutiert wurden unter anderem die Balance zwischen föderalen Zuständigkeiten und zentraler Steuerung, die Notwendigkeit einer echten Verwaltungsmodernisierung und die Frage, welche Reformschritte realistisch sind, ohne den politischen Betrieb zu überfordern. Immer wieder kam zur Sprache, dass der Ruf nach einem handlungsfähigen Staat nicht nur eine intellektuelle Forderung, sondern eine akute Notwendigkeit sei. Der Abend ging in ein vorweihnachtliches Get Together über, bei dem die Diskussionen vertieft und viele Gedanken weitergeführt wurden. Brigadegeneral Daniel Draken, Standortältester der Luftwaffe in Köln-Wahn, nahm ebenfalls teil und blieb bis in die späten Stunden zu Gesprächen mit den Gästen und dem Referenten. Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, wie groß das Bedürfnis nach Austausch über die Zukunft staatlicher Handlungsfähigkeit ist und wie wertvoll ein offener Dialog zwischen Verwaltung, Politik, Wissenschaft und interessierter Öffentlichkeit sein kann.

Das Sicherheitsforum Deutschland kündigte an, die begonnenen Gespräche fortzuführen und die Initiative für einen handlungsfähigen Staat im kommenden Jahr mit weiteren Veranstaltungen zu begleiten.

Swap Americano oder Chinesischer Hafen: Südamerika steht an einer strategischen Weggabelung

Von unserem Gastautor Oscar Armanelli

Die mittelgroßen Staaten Südamerikas – insbesondere Argentinien – stehen an einer strategischen Weggabelung: Wollen sie einen Finanz-Swap mit den Vereinigten Staaten eingehen  – und damit die kurzfristige Lösung ihrer Finanzkrisen – oder wollen sie chinesische Investitionen in Logistikinfrastruktur (z. B. Häfen) zulassen, die sie mit dem Pazifik und dem asiatischen Handel verbinden würden.

Die USA versuchen eine Zuspitzung in dieser Frage zu entschärfen: Am 14. Oktober erklärte der US-Vertreter Scott Bessent, dass die US-amerikanische Finanzhilfe nicht daran geknüpft sei, den Währungsswap mit China zu beenden. Auf die Frage, ob Argentinien China aus seinen wirtschaftlichen Beziehungen ausschließen solle, präzisierte er jedoch dann, dass sich die US-Bedenken „insbesondere auf Häfen, Militärbasen und Beobachtungsanlagen beziehen, die in Argentinien errichtet wurden“.

Als Beispiel für ein Verschieben von Paradigmen kann der Megahafen von Chancay (Peru) angeführt werden, der gegenwärtig von der chinesischen Reederei COSCO Shipping errichtet wird. Dieses Projekt gilt als Modell für eine neue geopolitische Logistikordnung in Südamerika.

Im Lichte der intensiven sino-amerikanischen Rivalität, insbesondere in Südamerika, erlaubt  eine „heterodoxe Autonomie“ es Peru, so wie es Juan Carlos Puig formuliert, eine für einen mittleren Staat verlockende Strategie, die eine Politik der gleichzeitigen Kooperation und strategischen Opposition, die sich keiner Großmacht vollständig unterordnet. In der Praxis formulieren die Vereinigten Staaten ihr Angebot als ein Nullsummenspiel: Entweder ein finanzielles Swap-Abkommen und strategische Ausrichtung auf Washington, oder chinesische Infrastrukturprojekte – mit dem Risiko geopolitischer Spannungen.

Die eigentliche Spannung liegt somit zwischen Autonomie und Ausrichtung. Ein kurzfristiger finanzieller Rettungsanker mag eine ökonomische Krise abwenden, kann jedoch langfristig die strategische Konnektivität und Souveränität gefährden. Somit geht es um folgende zentrale Implikationen: Logistik und Konnektivität werden zu Schlüsselfaktoren der südamerikanischen Geopolitik. Für Staaten mittlerer Größe wie Argentinien ist die Wahl zwischen Partnern nicht nur wirtschaftlicher, sondern vor allem strategischer Natur: chinesische Infrastrukturinvestitionen – gegebenenfalls mit entsprechenden Risiken für eine Abhängigkeit von China – versus finanzielle Abhängigkeit von den USA. Obwohl eine koexistente Balance beider Großmächte theoretisch wünschenswert wäre, macht ihre systemische Rivalität diese Option in der Praxis nahezu unmöglich.

So konzentrieren sich die politischen Optionen auf die Fragen:

– Welche Priorität soll ein Land wie Argentinien setzen: die Überwindung der kurzfristigen Finanzkrise oder die Sicherung langfristiger logistischer und handelspolitischer Vorteile?
– In welchem Maß kann strategische Souveränität bewahrt werden, wenn Großmächte ihre Unterstützung in Form von Ausrichtungsbedingungen definieren?
– Welche verdeckten Kosten entstehen – sei es durch chinesische Infrastruktur oder durch amerikanische Finanzhilfen – in Bezug auf Einfluss, Wertschöpfungsketten und politische Handlungsspielräume?

Die Koexistenz beider Modelle wäre die ideale Strategie, die Rivalität der beiden Großmächte macht diese jedoch, vermutlich absichtlich, nahezu unmöglich.

Unser Autor ist Oscar Armanelli, ein pensionierter Brigadegeneral der argentinischen Streitkräfte. Bis zu seiner Pensionierung im Januar 2025 war er Dekan der argentinischen Armeefakultät. Er gilt als Spezialist für internationale Beziehungen, vergleichende politische Analyse und Landesverteidigung. Er promovierte in Politikwissenschaft an der Universität Belgrano (Buenos Aires). Er besitzt einen Master- und einen Doktortitel in Landesverteidigung von der Nationalen Verteidigungsuniversität.

Er besitzt einen Master-Abschluss in Friedenssicherungseinsätzen vom Chilenischen Armee-Kriegskolleg in Santiago, Chile.

Europa: „Frieden“ in Gaza – Kampf um Taiwan – Putins Klauen der Macht

Ein Kommentar unseres Autors Dr. Klaus Olshausen

Zusammenfassung
Die Welt ist durch drei ernste Kriege, Konflikte und Krisen geprägt. Alle drei sind Ausdruck einer abnehmenden Anerkennung der völkerrechtlichen Regeln der Vereinten Nationen im Handeln großer Staaten. Der Krieg Israels gegen die Terrororganisation Hamas, aber auch gegen die Hisbollah, der Kampf Chinas nicht nur um Taiwan, sondern um den Zugang zum offenen Pazifik, und natürlich der brutal von Russland ausgefochtene Angriffskrieg gegen die Ukraine und implizit gegen den kollektiven Westen.
Eine stichpunktartige Einschätzung der Wirkung auf Europa und daraus folgendes Handeln erlaubt folgenden Ausblick:

  • Der Gaza-Krieg und der Nahe Osten sind so wichtig, dass eine direkte Beteiligung Europas in mehrfacher Weise erforderlich ist, und

  • gegenüber China kommt es darauf an, übergroße ökonomische Abhängigkeiten zu vermeiden, verstärkte Zusammenarbeit mit Anrainern zu suchen und die Kooperation mit Amerika zu stärken.
    Der Krieg in der Ukraine fordert zwingend unsere ganze Aufmerksamkeit und Kraft, um das freie Europa mit der Ukraine zu bewahren, wenn täglich zu sehen ist, wie Russland in den von ihm seit 2014 besetzten Gebieten Menschen russifiziert, drangsaliert und deportiert. Das unterstreicht, dass hier der Kampf um und für das freie Europa stattfindet und für alle Europäer besser dort entschieden wird.

Analyse
In den Tagen um die diesjährige Berliner Sicherheitskonferenz, den 24. Kongress für Europäische Sicherheit und Verteidigung des Behörden Spiegel, Deutschlands führender unabhängiger Zeitung für den öffentlichen Dienst und das Militär, ist die Welt neben allen wirtschaftspolitischen und geoökonomischen Auseinandersetzungen, insbesondere durch die Zollpolitik von Präsident Trump, durch drei ernste Kriege, Konflikte und Krisen geprägt. Alle drei sind Ausdruck einer abnehmenden Anerkennung der völkerrechtlichen Regeln der Vereinten Nationen im Handeln großer Staaten. Der Krieg Israels gegen die Terrororganisation Hamas, aber auch die Hisbollah, der Kampf Chinas nicht nur um Taiwan, sondern um den Zugang zum offenen Pazifik, und natürlich der brutal von Russland ausgefochtene Angriffskrieg gegen die Ukraine und implizit gegen den kollektiven Westen.
Alle drei haben für das freie Europa geopolitische Bedeutung, aber in unterschiedlicher Weise und Intensität. Die kriegerische Auseinandersetzung im Nahen und Mittleren Osten hat vor allem mit der Sicherung des Existenzrechts Israels und dem Eintreten für das Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser Wirkungen auf Europa. Krieg, Krise und Unruhe in dieser Region haben aber auch drastische geoökonomische Auswirkungen. Hinweise auf Suez-Kanal und Rotes Meer, aber auch den Persischen Golf mögen hier genügen.
Die offensive, potenziell aggressive Politik Chinas absorbiert in der westlichen Wahrnehmung vor allem das drohende, militärisch einschüchternde Agieren gegenüber Taiwan. Jedes Ausgreifen über die Straße von Taiwan, das gesamte Südchinesische Meer und die Senkaku-Inseln vor Japan kann die freie Schifffahrt zerstören. Auch dies hat entscheidende geoökonomische Wirkungen für Europa. Noch wichtiger ist aber die krisenhafte Zuspitzung der Auseinandersetzung Chinas mit der aus seiner Sicht abnehmenden großen Macht Amerikas.
Putin führt seinen Krieg mit allen brutalen Angriffen und Forderungen der Unterwerfung an die Ukraine, aber gleichermaßen wahlweise mit Sirenenklängen oder nuklearen Drohungen und hybriden Angriffen gegen die europäischen Staaten. Damit steht nicht nur für die Ukraine der Verlust ihrer souveränen, personalen Existenz auf dem Spiel. Diese Lage im zweitgrößten Land Europas und die immer wieder erklärten weiteren imperialen Ansprüche Putins stellen die Länder Europas vor Bedrohungen, die sie reduzieren, besser ausschalten müssen, bevor sie ihnen über den Hals kommen.

Europa und der Gaza-Friedenspakt
Der seit 10. Oktober verabredete, aber sehr fragile Waffenstillstand im Krieg im und um den Gaza-Streifen ist neben der Freilassung der Geiseln und der Übergabe der Leichname toter Geiseln eine der zwei Startmaßnahmen für den sogenannten Friedensplan, den Donald Trump mit großer Kulisse in Scharm El Scheich unterzeichnet hat. Die Fortschritte beim Aufbau der Stabilisierungskräfte, vor allem arabischer Staaten, lassen auf sich warten, und seit der Inszenierung der Deklaration des 20 Punkte Friedensplans hat sich Trump selbst nicht mehr sichtbar eingeschaltet.
Das freie Europa hat allen Grund, sich deutlich über die humanitäre Hilfe hinaus bei einzelnen Elementen des Friedensplans einzubringen. Nach der Bestätigung durch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen gilt dies neben dem Wiederaufbau insbesondere für die Übergangsregierung, die Stabilisierungskräfte und damit die Entwaffnung der Hamas. Auch beim vorgesehenen Peace Board könnte die EU eine Aufgabe übernehmen.

Europa und das autoritäre China
Bei Russlands Kriegspolitik und Chinas Handeln zur Weltmacht ist es für Europa schädlich, wenn zwischen Nordeuropa und Amerika Streitigkeiten und Störungen zunehmen, ja prominent werden. Das kann erstens dazu führen, dass Europäer bei schwierigen Themen bereit sind, China entgegenzukommen und Risiken, die aus der Systemrivalität folgen, zu beschwichtigen. Um gerade im Indo Pazifik für Stabilität zu wirken, kommt es nicht nur darauf an, mit vielen Staaten enge politische und wirtschaftliche Beziehungen aufzubauen, sondern auch an der Seite Amerikas zu stehen, wenn es gilt, einem bewaffneten Ausbruch in den offenen Pazifik zu widerstehen.
Auch wenn materielle direkte militärische Unterstützung begrenzt bliebe, ist diese für die Legitimität des Handelns von Bedeutung. Der Versuch, jeden eigenen wirtschaftlichen Vorteil mit China vorzuziehen, kann sich bitter rächen, wenn China der Ausbruch gelingt.

Russlands erneuter Imperialismus
Vier Jahre brutaler Krieg in der Ukraine haben zwar zu nicht unerheblicher Unterstützung der Ukraine in vielen Bereichen geführt. Aber trotz der inflationären Aussage, der tapfere Abwehrkampf der Ukrainer sei eine wichtige Verteidigungslinie für das freie Europa, haben die Länder Europas ihre wirtschaftliche Struktur weder auf massive militärische Unterstützung der ukrainischen Streitkräfte noch auf die rasche Wiederherstellung der eigenen Abwehrfähigkeit umgestellt, um damit so zügig wie möglich das Ziel zu erreichen, Russlands Angriff zurückzuweisen.
Diese Aufgabe an die westlichen Staaten hatte der frühere Bundeskanzler Scholz wiederholt gefordert. Aber Deutschland wie alle anderen Staaten in EU und NATO, ja selbst darüber hinaus, haben ihr Maß der Mittel nie klar daran ausgerichtet. Stattdessen reden jetzt viele mit großer Emotion davon, das Töten müsse aufhören. Das bedeutet aber das Gegenteil der eigentlichen Aufgabe und stattdessen den imperialen Fortschritt des Aggressors.

Ausblick
Mit Blick auf Krieg, Konflikt und Krise kann unterschieden werden, dass

  • der Gaza-Krieg und der Nahe Osten so wichtig sind, dass eine direkte Beteiligung Europas in mehrfacher Weise erforderlich ist,

  • gegenüber China übergroße ökonomische Abhängigkeiten zu vermeiden, verstärkte Zusammenarbeit mit Anrainern zu suchen und die Kooperation mit Amerika zu stärken ist,

  • der Krieg in der Ukraine zwingend unsere ganze Aufmerksamkeit und Kraft fordert, um das freie Europa mit der Ukraine zu bewahren. Das kann jeder daran ablesen, wie Russland in den von ihm seit 2014 besetzten Gebieten Menschen russifiziert, drangsaliert und deportiert. Das macht offensichtlich, dass hier der Kampf um und für das freie Europa stattfindet und für alle Europäer besser dort entschieden wird.

Über den Autor: Generalleutnant a.D. Dr. Klaus Olshausen war von 2006 bis 2013 Präsident der Clausewitz-Gesellschaft. Zuvor war er Deutscher Militärischer Vertreter im Militärausschuss der NATO, bei der WEU und EU, HQ NATO, Brüssel. Dr. Olshausen gehört dem Fachbeirat des Sicherheitsforum Deutschland und ist Mitbegründer dieser Initiative. 

 

Vorschau der Veranstaltungen im kommenden Jahr 2026

Die Veranstaltungen vom Sicherheitsforum Deutschland beginnen im kommenden Jahr mit dem Jahresempfang und der Auftaktveranstaltung der neuen Reihe „Sicherheitsgespräche Schloss Miel“. Mit Marie-Agnes Strack Zimmermann konnte für die Veranstaltung, die am 29. Januar 2026 in Schloss Miel stattfindet, eine hochkarätige Referentin zum Thema „Europa in Zeiten des globalen Umbruchs“ gewonnen werden.

Am 19. Februar 2026 findet im Belgischen Haus in Köln die Veranstaltung „Was geht mich der Cyberkrieg an?“ mit Vizeadmiral Thomas Daum, Inspekteur Cyber und Informationsraum in Bonn, und dem ehemaligen Telekom und Microsoft Vorstand Achim Berg statt.

„Einsatzoptionen und Vorbereitung auf den Fight Tonight der Bundeswehr“ – ein besonders aktuelles Thema, über das Generalleutnant Alexander Sollfrank, Befehlshaber des Operativen Führungskommandos der Bundeswehr, am 5. März 2026 (Alternativtermin 26. März 2026) in der Offizierheimgesellschaft (OHG) in Köln-Wahn einen Vortrag halten wird.

Am 21. April 2026 wird James D. Bindenagel, amerikanischer Politikwissenschaftler und ehemaliger Diplomat, der 1996 und 1997 als Geschäftsträger a. i. die US Botschaft in Bonn leitete, mit einem Vortrag zum Thema „Russischer Angriffskrieg in der Ukraine und der Westen schaut zu“ beim Sicherheitsforum Deutschland zu Gast sein. Details zur Veranstaltung folgen.

Am 13. Mai 2026 wird es mit dem Referenten Hans Christoph Atzpodien, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Sicherheits und Verteidigungsindustrie, um das Thema „Deutsche Wirtschaft zwischen Hoffen und Bangen“ gehen. Details zur Veranstaltung folgen.

Der Vortrag „Energiesicherheit für Deutschland“ mit Prof. Dr. Marc Oliver Bettzüge für Volkswirtschaftslehre, Energie und Nachhaltigkeit sowie Direktor des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln findet am 11. Juni 2026 statt. Details zur Veranstaltung folgen.

Zusammen mit dem Distrikt 1810 von Rotary International veranstaltet das Sicherheitsforum Deutschland das Symposium „Fünf Jahre nach dem Hochwasser in Westdeutschland – Wie steht der Katastrophenschutz heute da?“. Details zur Veranstaltung folgen.

Die ganztägige jährliche Leitveranstaltung vom Sicherheitsforum Deutschland findet im September 2026 zum Thema „Ganzheitliche Krisenresilienz“ statt. Details zur Veranstaltung folgen.

Am 23. Oktober 2026 ist Roderich Kiesewetter, MdB CDU, mit dem Thema „Pulverfass Nahost“ zu Gast. Details zur Veranstaltung folgen.

Im November 2026 wird es um „Einsatzoptionen und der Fight Tonight der NATO in Europa“ gehen. General Ingo Gerhartz, Befehlshaber des Allied Joint Force Command in Brunssum (Niederlande), ist als Referent für diese Veranstaltung angefragt. Details zur Veranstaltung folgen.

Den Jahresabschluss mit vorweihnachtlichem Empfang bildet am 3. Dezember 2026 der Vortrag „USA nach den Midterms – weitere Entwicklung und Auswirkungen auf Deutschland“ mit Prof. Dr. Stephan Bierling, Leiter der Professur für Internationale Politik und transatlantische Beziehungen an der Universität Regensburg, in der Offizierheimgesellschaft (OHG) in Köln Wahn. Details zur Veranstaltung folgen.